Gut, dass sich was tut

Heute möchte ich mal die vorgestern vorgestellten Umbaupläne der forensischen Psychiatrie in Hadamar kommentieren, oder vielmehr die Bürgerreaktionen darauf, die sich teilweise in der Versammlung am Mittwochabend bereits andeuteten. Den heutigen detaillierten NNP-Artikel kann man hier nachlesen.

Natürlich gibt es angenehmere Nachbarn als verurteilte, drogenabhängige Straftäter, natürlich wird es rund vier Jahre lang Unannehmlichkeiten wegen der vielen Bau-LKW geben und natürlich ist eine 5,50 Meter hohe Mauer auf dem Mönchberg kein gefälliger Anblick. Dennoch ist es gut, dass sich was tut auf dem Gelände der Vitos-Klinik in Hadamar. Die Erweiterung schützt und stützt den größten Arbeitgeber in der Stadt, der außerdem zahlreiche Firmen der Region mit Aufträgen versorgt; von der Bäckerei über den Schreibwarenhändler bis hin zu Bauhandwerkern. Nicht zuletzt bietet die Vitos-Pflegeschule jungen Menschen Ausbildungsplätze in der zukunftsträchtigen Gesundheitsbranche. Wenn jetzt 40 Millionen investiert werden, braucht man in den kommenden Jahren wohl kaum mit einer Schließungsdebatte zu rechnen, wie Hadamar sie vom ehemaligen Krankenhaus St. Anna kennt.

Natürlich gilt es, das Bauprojekt kritisch zu begleiten und darauf zu pochen, das die Interessen der Nachbarn und der Hadamarer allgemein gewahrt bleiben. Aber die nicht zuletzt wirtschaftliche Bedeutung der Klinik sollte die Bedenken zum Baustellenverkehr und zum veränderten Anblick auf dem Mönchberg deutlich dämpfen.

Und was die Patienten betrifft: Dass sie eine Therapie machen, ist unbestreitbar besser als das reine Absitzen der Strafe ohne Arbeit an ihren psychischen Problemen. Und irgendwo müssen sie ja hin. Der Ruf “Aber nicht nach Hadamar!” ist genauso scheinheilig wie Proteste von Umweltbewegter gegen Windräder und neue Stromleitungen. Selbstverständlich müssen diese Anlagen so umwelt- und menschenverträglich wie möglich gebaut werden, aber nötig sind sie. Umgemünzt auf die Vitos-Baupläne bedeutet das: Die Anwohner sind im Recht, wenn sie die bestmögliche Einfügung in die Landschaft und höchste Ausbruchssicherheit fordern. Nicht gerechtfertigt ist allerdings der Protest gegen die Forensik an sich, der in der Debatte am Mittwoch immer wieder durchschimmert. Immerhin wird der Neubau die Sicherheit der Anlage erheblich erhöhen, soweit man das als Laie anhand der gestrigen Präsentation beurteilen kann. Auch in dieser Hinsicht gilt also: Gut, dass sich was tut.

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