In Hadamar scheint eine Debatte um die Windkraftnutzung bevorzustehen, und das noch bevor konkrete Standorte feststehen. Ist der Investor verlässlich? Sollen weitere potenzielle Betreiber gesucht werden? Was darf der Magistrat, was das Parlament entscheiden? Wie lassen sich die Nachbarn in Wallmerod einbeziehen? So lauten einige Fragen. Dass sie gestellt werden, ist legitim. Das Problem liegt an einer anderen Stelle: Die Hadamarer sind reichlich spät an der Reihe, und daran sind sie selbst schuld.
Vor knapp einem Jahr habe ich das Thema Windkraft in Hintergrund- (und, ja ich gebe zu, auch Bier-) Gesprächen mit Hadamarer Kommunalpolitikern aus mehreren Lagern und verschiedenen Gremien angestoßen und wurde ziemlich enttäuscht. Am liebsten waren mir noch diejenigen, die keine Windräder wollten. Das widerspricht zwar meiner Haltung, ist aber immerhin eine Meinung. Die meisten Politiker hatten entweder keine erkennbare Position, waren ohne Angabe von Gründen der Meinung: “In Hadamar ist das kein Thema.” oder argumentierten mit etwa zehn Jahre alten Erhebungen, die keine verwertbaren Standorte ausweisen würden – allerdings auf einem veralteten Stand der Technik. Insgesamt schien im vergangenen Jahr Gleichgültigkeit zum Thema vorzuherrschen. Um den Zusammenhang zu verdeutlichen: Zu diesem Zeitpunkt hatte die Gemeinde Hünfelden bereits ihre Bürger zur Windkraft befragt, in Mengerskirchen, Elz und Dornburg war die politische und öffentlich Debatte im vollen Gang, in Waldbrunn das Thema zumindest im Gemeindevorstand.
Wenn die Hadamarer sich jetzt über Zeitdruck und Unklarheiten beschweren, dann sind sie selbst dran schuld. Jede Fraktion und auch die Verwaltung im Rathaus hätte aktiv werden können, um frühzeitig eine Debatte und eine Entscheidung darüber in die Wege leiten können, ob Windkraft erwünscht ist, wo mögliche Standorte wären und wie man gegenüber Investoren vorgeht. Das haben die Entscheidungsträger versäumt. Jetzt haben die Nachbarn einen Vorsprung, dem Hadamar hinterherhecheln muss. Und auch mit Investoren hätte die Stadt ganz anders verhandeln können, wenn die Initiative von ihr ausgegangen wäre.
In diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal auf meine Umfrage verweisen, in der jeder seine Stimme zur Windkraft in Hadamar abgeben kann. Informationen zu den ersten Grobentwürfe für die windkraftstandorte gibt es hier.