Mit Händen und Füßen haben sich die Grünen bis zuletzt gewehrt. Es hat nicht genutzt: Mit breiter Mehrheit hat die Limburger Stadtverordnetenversammlung soeben beschlossen, vorerst nicht über den Entzug der Ehrenbürgerwürde für den vermutlichen NS-Täter und ehemaligen Landrat Heinz Wolf abzustimmen. Vielmehr soll der Haupt- und Finanzausschuss im Detail über die historischen Erkenntnisse und die kommunalrechtlichen Rahmenbedingungen der Ehrenbürgerwürde beraten. Dafür hatten sich CDU, SPD und FDP in einem gemeinsamen Antrag (an dem natürlich nicht die Grünen beteiligt waren, wie ich es zuerst falsch per Kurznachricht verbreitet hatte) ausgesprochen, dem auch FWG und BZL zustimmten. Die Grünen hatten die sofortige Streichung aus der Ehrenbürgerliste verlangt. Aus Protest gegen die sich abzeichnende Überstimmung verließ die grüne Fraktion den Sitzungssaal der Stadtverordneten.
Das Interesse der Bevölkerung an diesem, dem einizgen ausführlich diskutierten, Thema der Stadtverordneten war übrigens gering: weniger als zehn Zuschauer hatten sich eingefunden.
Eine ausführliche Berichterstattung mit Zitaten aus den Redebeiträgen wird es voraussichtlich übermorgen in der NNP geben.
nochmal als Nachfrage: Die BZL hat dem Antrag von CDU, SPD und FDP zugestimmt?
Das wäre für mich aber sehr erstaunlich. So hatte ich Frau Schmüser bisher nicht eingeschätzt.
Soweit ich das mitbekommen habe, hat Frau Schmüser den Saal nicht verlassen. Und die, die im Raum geblieben sind, haben einstimmig für den Antrag votiert.
Hallo, ich finde diese Diskussion sowas von überflüssig. Die Halle bekam ihren Namen weil Herr Wolf irgendwann mal irgendwas Gutes für den Kreis oder Limburg getan hat. In der damaligen Zeit waren viele Leute Mitglied in der NSDAP. Das war damals eben in der Zeit so. Nicht dass ich da etwas entschuldigen möchte. Ich denke nur, dass es bei der Lage im Kreis wesentlich wichtigere Dinge gibt über die sich unterhalten werden muss. Wenn man tief genug gräbt, findet man bestimmt bei 75% der Politiker irgendwo einen Flecken auf der ach so weißen Weste. Den Vorwurf mache ich den Leuten die damals bei der Namensgebung nicht tief genug recherchiert haben. Aber wie sagt man hier so schön? Hinterm Pflug ist geackert. Sollen wir als weiter die Verbrechen der Nazi-Zeit vorgehalten bekommen? Lasst uns doch endlich dieses dunkle und mehr als schmutzige Kapitel dahin buxieren wo es hin gehört. In die Archive und Geschichtsbücher. Kann es sein, dass das Hochholen der Diskussion um den Namen sich lediglich um den Versuch von diversen Personen handelt, die nachlassende Aufmerksamkeit auf gewissen Personen oder Gruppierungen zu erneuern?
“Das war in der Zeit ebenso” kann man meiner Meinung nach nicht als Argument stehen lassen, und schon gar nicht im Fall Wolf. Zunächst einmal wurde keiner gezwungen, in die NSDAP einzutreten. Sicher war manche Karriere ohne Parteizugehörigkeit versperrt. Aber schon an diesem Punkt ist die Frage berechtigt, ob man zu Gunsten der eigenen Karriere ein dermaßen blutsäuferisches Regime unterstützen durfte. Woran man mit den Nazis war, konnte wirklich jeder erkennen, der die Augen nicht mit Absicht verschloss. Das beweisen mustergültig die Aufzeichnungen von Friedrich Keller.
Weiter zu Wolf: Der war nicht nur einfaches, still vor sich hin lebendes NSDAP-Mitglied, sondern hat sich mit seinem Handeln als Staatsanwalt und mit Pressepublikationen eindeutig zum Fürsprecher des Regimes gemacht und damit zusätzliche Schuld auf sich geladen. Diese Schuld lässt sich auch mit späteren Leistungen Wolfs nicht tilgen, wobei ich letztere weder bewerten kann noch will.
In die Archive und Geschichtsbücher gehört das “Dritte Reich” keineswegs. Ständige Auseinandersetzung tut in Ewigkeit Not, um eine Wiederholung zu verhindern. Aus eben diesem Grund ist auch eine Auseinandersetzung mit der Person Heinz Wolf weiterhin notwendig.
Und schließlich würde mich auch noch interessieren, wer denn genau mit den Munkeleien über “gewisse Personen” gemeint ist.
Alleine schon die Äußerungen Wolfs zum “Erbgesundheitsgesetz” und sein antisemitischer Artikel zur “Rassenfrage” die in den 30er Jahren in Regionalzeitungen veröffentlicht wurden sollten Grund genug sein die Ehrenbürgerschaft Heinz Wolf abzuerkennen. Ausserdem war Wolf Staatsanwalt im schlimmsten Terrorregime das die Welt je gesehen hat.
Gerade in der heutigen Zeit, in der man über ein NPD-Verbot nachdenkt und ein Gedicht von Günther Grass dazu führt das dieser als Antisemit bezeichnet wird und ein Einreiseverbot für Israel erhält, in einer Zeit in der braune Terroristen mordend durch unser Land ziehen, u.a. getrieben, eben durch jene “Rasse-Gedanken” die im Dritten Reich “Gesetz” waren und als solches auch von Staatsanwalt Wolf vertreten wurden sollte man sich seiner Verantwortung, besonders gegenüber der heutigen Jugend und zukünftiger Generationen bewusst sein. Es gilt ein glaubhaftes Zeichen zu setzen. Auch wenn die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft für den einen oder anderen einen schmerzhaften oder lästig-überflüssigen Akt darstellt, sie muss vollzogen werden !
Denn:
Kann man in der heutigen Zeit glaubhaft gegen Rechtspopulismus und braune Netzwerke argumentieren und es gleichzeitig dabei belassen, dass ein überzeugter Antisemit und Befürworter der nationalsozialistischen “Erbgesundheitslehre” Ehrenbürger der Stadt Limburg bleibt ?
Ich denke die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft ist längst überfällig !
Redaktionelle Anmerkung: Auf Wunsch des Autors wurde dieser Kommentar entfernt. vt
Ganz ehrlich M., äußerst Du Deine Meinung nur, weil sie provozieren soll, oder glaubst Du ernsthaft, was Du schreibst?!
Hallo Herr Berend, warum sollte seine Meinung provozieren. Bei vielen Unterhaltungen denen ich beiwohnen durfte herrschen ähnliche Ansichten.
Ich wiederhole mal mit eigenen Worten: Heinz Wolf ist eigentlich ein guter Kerl, der viel Gutes getan hat, ich weiß zwar nicht genau was, aber irgendwas Gutes muss er ja getan haben, sonst hätte man die Halle nicht nach ihm benannt. Deshalb Schwamm drüber, das ist fast 70 Jahre her und die behaupteten Untaten stören ohnehin nur Linke und Gutmenschen…was könnte an diesen Aussagen wohl provozieren?!
Meinungsfreiheit !
Sicherlich dürfen Sie, Herr Burggraf, ihre Meinung zum Thema Heinz Wolf äußern, wie es uns allen als Bürger/Innen einen freien Staates zusteht. Jedoch möchte ich schon gerne wissen, warum Sie den Sachverhalt Wolf mit “Reparationszahlungen” und der Annahme verbinden, durch einen offenen Umgang mit der Vergangenheit würde mit dem “Finger von oben auf uns gezeigt”. Wer sollte dies denn tun, wenn eine Region endlich anfängt, über ihr historisches Erbe zu reflektieren, was bisher, aus welchen Gründen auch immer, unterlassen wurde? Wenn Sie, Herr Burggraf, zurecht auf ihr Recht auf freie Meinungsäußerung pochen, müssen Sie wissen, dass Heinz Wolf als Staatsanwalt für mindestens 4 Fälle verantwortlich zeichnet, in welchen Menschen aufgrund von Kleinigkeiten, wie beispielsweise dem Äußern einer kritischen Meinung über den Ausgang des Krieges zum Tode verurteilt wurden. Wolf war treuer Diener eines totalitären Systems und hat die von ihm verantworteten Todesurteile niemals bereut. Dass wir heute in einem Staat leben, wo wir frei und offen diskutieren können, beruht eben gerade nicht auf der Leistung eines Herrn Wolf sondern auf der Grundlage einer Verfassung, die durch die Erfahrung der Gewaltherrschaft erst entstanden ist. Meiner Auffassung nach zeigt eine demokratische Gesellschafte gerade dadurch Stärke, dass Missstände, ob in der Vergangenheit oder Gegenwart offen benannt werden können. Auch das Argument von Herrn Schaf, dass doch schließlich nahezu alle Politiker irgendwie “Flecken auf ihrer weißen Weste” haben, kann nicht gelten. Immerhin liegt die Wolf-Halle in unmittelbarer Nähe der Adolf-Reichwein-Schule und alleine diese Nachbarschaft ist unaushaltbar. Adolf Reichwein, christlicher Gewerkschafter und Widerstandskämpfer wurde 1944 in Plötzensee hingerichtet. Er steht für die abertausend Menschen, die das NS-System aufgrund ihrer aufrechten, humanitären Haltung nicht überlebten. Zu behaupten, alle Politiker hätten auf die eine oder andere Weise Schuld auf sich geladen, kommt der Verhöhnung der Opfer der Gewaltherrschaft gleich.
Es mag sein, dass Wolf nach 1945 als Landrat das getan hat, was seine definierte Aufgabe in einer gut dotierten Position war. Jedoch klebt an seinen Händen unbestreitbar Blut, und er hat auch seinem Vorgesetzten in Danzig, dem hundertfachen Justizmörder Kurt Bode, im Jahr 1951 wieder in Amt und Würden verholfen. Dass ein Mann wie Wolf keine Ehrung verdient, daran kann es keinen Zweifel geben. Zum Zeitpunkt seiner Ehrung haben alle, die es hätten besser wissen müssen, geschwiegen. Auch Wolf hat in den von ihm gemachten Angaben systematisch belogen und betrogen, was heute aufgrund der vorliegenden Personalakte zweifelfrei bewiesen werden kann. Bis zur Öffnung der Archive in den 90er Jahren war es schwieriger als heute, den Nachweis seiner Schuld zu führen. Die Zeugen seiner Untaten haben geschwiegen, oder waren weit von Limburg entfernt. Dass Wolf ab dem Jahr 1979 in Polen per Haftbefehl gesucht wurde, ist nicht nach Limburg durchgedrungen. Jetzt ist die Zeit gekommen, die Fakten zu benennen, was durch Presse und Fernsehen ja auch erfolgt ist. Handeln muss die Politik; die ersten zaghaften Schritte sind schon erfolgt, wobei auch im Versuch der Aufdeckung der Verstrickung Wolfs deutliche Spuren von Vertuschungsversuchen zu erkennen sind. Nochmals an die Herren Schaf und Burggraf: Sie, aber auch ich können uns nur deswegen frei äußern, weil das von Wolf energisch unterstützte totalitäre System sich gottlob nicht halten konnte. Den Kopf in den Sand zu stecken, und zu sagen, dass alle Politiker ohnehin Flecken auf der Weste haben, ist das naive Argument derjenigen, die sich nicht die Mühe machen, genau hinzuschauen, und dann im nächsten Schritt womöglich noch davon absehen, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen.
Aus der Vergangenheit Lehren für Gegenwart und Zukunft zu ziehen, ist unsere Verpflichtung in einem offenen und demokratischen Staat. Auch dann, wenn wir mit Dingen konfrontiert werden, die wir lieber wegschieben würden, weil sie uns deutlich machen, dass die Nazis eben gerade nicht die “Anderen” waren, sondern häufig genug gewissenlose Karrieristen die sich jedes beliebigen Systems bedienten und gar über Leichen gingen, um an ihr Ziel zu gelangen.
viel spannender wäre doch die Frage, welche Limburger Freunde Heinz Wolf zum Ehrenbürger vorgeschlagen haben. Und bei der Gelegenheit mal gerade recherchieren, wie deren NS-Vergangenheit aussieht …
Wer Heinz Wolf zum Ehrenbürger vorgeschlagen hat, ist bekannt, da es ein im Limburger Stadtarchiv öffentlich einsehbares Protokoll der Stadtverordnetenversammlung vom 20.01.1975 gibt. Die Verflechtungen von Wolf allerdings gehen wohl weit über Limburg hinaus, da er auf ziemlich abenteuerlichen Wegen vom Frankfurter Staatsanwalt zum CDU-Landtagsabgeordneten und später zum Landrat in seiner Heimatregion wurde. Von einem wirklichen Aufstieg kann da nicht die Rede sein. Wer verlässt schon den renommierten Posten eines Oberstaatsanwaltes, um dann (unbedeutender) Landtagsabgeordneter zu werden? Zuweilen wird auch die Vermutung geäußert, dass es politische Gründe waren, die Wolf in den Landtag katapultieren, sozusagen um ihn dort zu “parken”weil er nur so einer Überprüfung seiner Vergangenheit ausweichen konnte. In beiden Fällen, insbesondere bei der Übernahme des Amtes als Landrat nach nur vier Jahren Abgeordnetentätigkeit in Wiesbaden, müssen es seine Parteifreunde gewesen sein, die ihn stützten und ins Amt hievten. Aber auch von der Opposition hat niemand nachgefragt, oder die sicherlich allseits bekannten Nazi-Vorwürfe gegen Wolf ausgesprochen. Interessant auch, dass die Personalakte Wolfs von der Kreisheimatpflegerin auch im Jahr 2011 nicht eingesehen werden durfte, wie es in ihren Recherchen nachzulesen ist. Die Forschungen, wer genau sich so für Wolf einsetzte, und wie es geschehen konnte, dass die Wahrheit über Wolf so lange nicht gedruckt werden durfte, laufen allerdings schon eine geraume Weile und werden nach Abschluss an geeigneter Stelle veröffentlicht werden.